Computer ≠ Videospiele = Zeitverschwändung?

Aktualisiert: 24. Juni 2021

Ein Beitrag eines Ex-Gamers.


#3 Computer Videospiele = Zeitverschwendung


Gibt es einen spezifischen Grund, warum es sich für euch besser anfühlt, euer Kind beim Zeichnen oder Basteln zu beobachten als beim Spielen eines Videospieles?

Vermutlich, weil man beim Gamen nur einen Akt des Konsumierens nachgeht, während man beim Basteln/Malen etwas kreiert, bzw. sich in einer schöpferischen Tätigkeit auslebt.


Zugegeben, dass ist eine ziemlich offensichtliche Erklärung, für die man jetzt keinen eigenen Blogartikel zu schrieben bräuchte, aber gebt mir noch ein par Zeilen. Ich verspreche euch, alles wird Sinn ergeben.

Immer wieder ist mir aufgefallen, dass sich mein Leben ziemlich in Phasen abspielt und ich je nach Phase entweder sehr viel Produziere und mich in schöpferischen Tätigkeiten auslebe, oder die Hauptaktivität darin besteht nur zu gammeln und alles Mögliche zu konsumieren. Dabei ist mir einige male aufgefallen, dass mich die Phasen des Konsums ziemlich abstumpfen lassen, während die Phasen, bei denen ich stark in schöpferischen Tätigkeiten vertieft bin, mich viel eher aufblühen lassen. Ich fühle mich dann am Leben und erfüllt.

Was wenn wir das Intuitiv spüren, dass uns exzessiver Konsum abstumpfen lässt und schöpferische Tätigkeiten uns aufblühen lassen. Und beim Beobachten von Menschen, die wir lieben, welche Stunde für Stunde vor einem Bildschirm dahinvegetieren, wir deswegen ein so schlechtes Gefühl bekommen, weil es uns genau bewusst ist, wie viel Potenzial damit verloren geht. Dies ist aber ganz oft eine Erkenntnis die nicht nur Eltern und Medienpädagogen begreifen, sondern oft auch die Jugendlichen selbst. So macht das Erlernen von Photoshop oder einer Programmiersprache schlussendlich mehr Spaß als das Spielen von Computerspielen.


Als ich 15 wahr, befand ich mich in meiner exzessivsten Gaming Phase. Es gab eigentlich kaum noch etwas anderes in meinem Leben außer Minecraft, Call of Duty und World of Warcraft. Nach einigen Monaten aber ging der Spaß verloren und es wurde mehr zu einer Arbeit als zu etwas dem ich gerne nachging. Die meisten meiner Freunde waren ziemliche Nerds und ich habe angefangen die Gespräche vom Gaming mehr in Richtung programmieren und hacking zu lenken, einfach weil sich diese Thematik besser angefühlt hat als zum tausendsten mal über irgend einen Avatar in WOW zu sprechen. Irgendwann wollte ich das Programmieren, dann wirklich selbst beherrschen und habe angefangen mit Hilfe von YouTube-Tutorials mir die Basics beizubringen. Gefangen von der Faszination, habe ich dann nicht mehr bis 2 Uhr nachts gezockt, sondern Zeilenweiße Code geschrieben. Morgens hatte ich immer noch die gleichen Augenringe und für meine Eltern war ich immer noch der verzockte Jugendliche. Ich hatte aber etwas gefunden, das mich erfüllte, etwas was mir Freude bereitete und das mir einen gewissen Weg mit erreichbaren, realen Zielen gab.


Ich möchte mit meiner Geschichte ausdrücken, dass ich es schon viel zu oft mitbekommen habe, wie sich Eltern über ihre Kinder aufregen, da diese immer nur vor ihren Bildschirmen sitzen und nix im Kopf haben außer Computerspiele. Aber sehr viele dieser Jugendliche, welche scheinbar an ihren PC gefesselt sind, befassen sich auf einer tiefen und intelligenten Ebene mit Tätigkeiten wie zum Beispiel dem Programmeiren ihres eigenen Spieles, dem schneiden ihrer Videos, oder dem Produzieren von Musik. Ohne, dass die Eltern etwas davon mitbekommen.


Wie es dazu kommt, dass ein Kind oder ein Jugendlicher seine Interessen und Hobbies vor seinen Eltern zu verstecken versucht kann ganz verschiedene Gründe haben. Bei mir war es der einfache Grund, dass ich immer das Gefühl hatte, dass alles was am Computer gemacht wird nicht den Erwartungen meiner Eltern entspricht und ich mich so auf eine Gewisse Art und Weiße dafür geschämt habe keine „realen“ Hobbys zu haben, sondern mich nur in der Digitalen Welt auszuleben.

Wie es dazu kam, ist mir erst gestern so richtig klar geworden. Immer wenn ich mit meinen Eltern über Videospiele gesprochen habe, wurde ich mit so viel Unverständnis und Unwissen konfrontiert (was nicht selten zu Streits führte), dass ich einfach irgendwann die Lust verloren habe, mit meinen Eltern über solche Themen zu reden. Nach dem Motto: „Die haben doch eh keine Ahnung und wollen mich nicht verstehen“.

Dazu kommt der schlichte Fakt, dass sich Jugendliche in einer starken Phase der Abgrenzung befinden und Eltern oft auf eine bestimmte Art peinlich sind.

Das Ganze ist aber extrem schade, denn würden Eltern echtes Interesse an der Lebenswelt und den Aktivitäten des Jugendlichen zeigen (egal ob real oder Digital), dann gibt es eine große Chance, wirkliche Einsicht in die Welt der intrinsischen Motivatoren des Kindes zu bekommen.


Wenn man nun also dieses echte Interesse über eine längere Zeit aufbringt, gibt es drei Möglichkeiten (und jede menge an Zwischenstufen):

  • Die erste Möglichkeit ist, das euer Kind schon viel mehr macht als nur zu Gamen, er/sie es aber verheimlichte.

  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass euer Kind zwar über Interessen verfügt, es nicht schafft, diesen konsequent nachzugehen, was an mangelnder Motivation oder an mangelnden Equipment liegen kann. Ihr als Eltern könnt hier aber ganz gezielt euer Kind dabei unterstützen sein Ding durchzuziehen, einfach indem ihr es motiviert indem ihr immer wieder ohne Druck danach Fragt, wie es eigentlich mit dem Projekt vorrangeht oder was es brauchen würde, um auf das nächste Level zu kommen.

  • Die dritte Option besteht darin, dass euer Kind wirklich nur den ganzen Tag zockt und nicht wirklich darüber nachdenkt seine Zeit schöpferischer zu gestalten, in dem Fall seit ihr auch nicht schlechter dran als gedacht. Aber auch hier gilt sofern das Kind dafür offen ist, es Schritt für Schritt von seiner intrinsischen Motivationszwiebel zu reißen, und es dabei zu unterstützen ein Medium zu finden in dem es sich wirklich selbst ausleben und ausdrücken kann


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